OeMAG

E-Mobilität: Langer Weg bis zum Massenmarkt

Wien, 31.05.2010

Elektromobilität gilt als großer Hoffnungsträger zur Verbesserung der CO2-Bilanz. Doch eine aktuelle Studie von A. T Kearney trübt diese Hoffnung. Durch den vermehrten Einsatz von E-Fahrzeugen werde auch der Stromverbrauch bis 2030 um bis zu 5 Prozent steigen und solange der Strom dafür aus fossilen Quellen (Kohle, Gas, Öl) komme, werde sich Elektromobilität nicht positiv auf die CO2-Emissionen auswirken.

Und das sei nicht die einzige Hürde auf dem Weg zum Massenmarkt. Weitere Voraussetzungen seien leistbare Batterien, eine gut ausgebaute Infrastruktur und europäische Standards, sagte A.T Kearney Geschäftsführer Robert Kremlicka in einer Pressekonferenz am Montag (31. Mai).

Um eine Änderung in der CO2-Bilanz zu sehen, müsse sich der Anteil CO2-freier Technologien (Wasser, nukleare und erneuerbare Energien) im Stromerzeugungsmix signifikant erhöhen. Österreich bildet hier eine Ausnahme, denn durch den hohen Anteil der Wasserkraft in der Stromerzeugung verbessere die Einführung von Elektromobilität schon heute die CO2-Bilanz. Bei A. T Kearney geht man davon aus, dass Elektromobilität vorerst ein Nischenmarkt bleibt und sich erst nach 2020 zu einem Massenmarkt entwickeln wird. Ein Grund dafür liegt darin, dass es noch keine leistungsstarken und für den Durchschnittskunden leistbare Batterien gibt. "Erst wenn die Kosten für Batterien massiv sinken und der Ölpreis steigt, werden Elektroantriebe wettbewerbsfähig", sagt Kremlicka.

10-Prozent-Anteil im Jahr 2020

Doch auch damit sind die Probleme im Bereich der Elektromobilität noch nicht gelöst. Im Jahr 2020 schätzt Kremlicka den Anteil der E-Fahrzeuge in Österreich auf rund 10 Prozent, und diesen Fahrzeugen müsse eine geeignete Infrastruktur (Ladestationen) zur Verfügung stehen. Alleine in Österreich seien bis 2020 rund 506 Mio. Euro an Investitionen in Ladestationen nötig (80 Prozent davon im öffentlichen Bereich) und noch sei nicht klar, wer welchen Anteil dieser Kosten tragen wird. Eine gut ausgebaute Infrastruktur setze aber auch voraus, dass es Standards, also einheitliche Stecker gibt - europäische Normen wären somit zwingend erforderlich. An diesen wird auf europäischer Ebene derzeit gearbeitet. Beim Ausbau der Infrastruktur muss auch die Bereitstellung von Schnellladestationen (ca. 700 Volt) berücksichtigt werden. Diese sind jedoch für das Netz aus heutiger Sicht nicht verkraftbar und würden zu enormen Netzüberlastungsproblemen führen. Langsamladestationen sind vor allem im öffentlichen Bereich nur bedingt realisierbar, da der Ladevorgang mehrere Stunden dauert.

Eine Herausforderung bedeuten E-Fahrzeuge für die gesamte Autoindustrie. "Elektrofahrzeuge benötigen völlig neue Komponenten von etwa 40 Prozent des Fahrzeugwerts, was einen großen Einfluss auf Österreichs Zulieferindustrie haben wird", so Kremlicka. Die Kfz-Industrie in Österreich sei jedoch sehr innovativ und liege in diversen Entwicklungen weit vorne, sagte Kremlicka.

Quelle: APA

© 2007 OeMAG Abwicklungsstelle für Ökostrom AG

www.oemag.at