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Verband sammelt Unterschriften gegen Solar-Deckel

Wien, 25.05.2010

Österreichs Solarenergie-Branche ist mit dem Ökostromgesetz nach wie vor unzufrieden. Ein Dorn im Auge ist dem Bundesverband Photovoltaic Austria (PVA) nicht die Höhe der Tarife, sondern, dass die Tarifförderung mit 2,1 Mio. Euro begrenzt ist. "Wir wollen ein Gesetz ohne Deckel", wird PVA-Chef Hans Kronberger nicht müde zu betonen und wendet sich nun mit einer Petition an die Regierung.

Erst, wenn genug Geld da ist, werde auch in Österreich eine Sonnenenergie-Entwicklung nach internationalem Vorbild möglich. Momentan müssten die heimischen Solaranlagen-Hersteller weit mehr als 90 Prozent ihrer Produkte exportieren. Während die Photovoltaik-Industrie weltweit boome, müsse man Solaranlagen in Österreich mit der Lupe suchen, sagte Kronberger bei einer Pressekonferenz. Vergangenes Jahr seien hierzulande nur "mickrige" 7 Megawatt Peak (MWp) installiert worden. In Tschechien waren es 411 MWp, in Frankreich 250 MWp und in Belgien 203 MWp. Weltweiter Spitzenreiter war Deutschland mit 3.800 MWp. Zum Vergleich: Ein Atomkraftwerk hat eine Leistung von etwa 1.200 MWp.

Mit den 2,1 Mio. Euro, die im Ökostromgesetz für die Stromtarif-Förderung vorgesehen und längst ausgeschöpft sind, könne man gerade einmal 7 MWp errichten, kritisierte Kronberger. Insgesamt sind in Österreich laut PVA Solaranlagen mit einer Leistung 40 bis 45 MWp installiert - das sind nur 5 Promille des heimischen Stromverbrauchs. In Bayern betrage der Anteil immerhin 3 Prozent. Bis 2020 möchte der Verband den Sonnenstromanteil in Österreich auf 8 Prozent des Verbrauchs ausbauen. Das würden jeden Haushalt - abhängig von der Öl- und Strompreisentwicklung - 9 bis 24 Euro pro Jahr zusätzlich kosten, habe das Verkehrsministerium errechnen lassen.

Strom aus Sonnenenergie muss momentan noch hoch subventioniert werden. Eine Kilowattstunde (kWh) koste 37 Cent, während der aktuelle Strompreis für Endkunden bei 17 bis 20 Cent liege. Das von Kritikern oft vorgebrachte Argument, Sonnenstrom sei zu teuer und die Technologie noch nicht reif, lässt Kronberger nicht gelten. "Dann würden wir auch kein Handy und keinen Flatscreen haben." Der PVA hofft, dass Strom aus der Sonne 2015 gleich teuer ist wie der herkömmliche Strom. In Südeuropa sei schon 2012 mit der sogenannten Netzparität zu rechnen.

Investitionen werden aufgeschoben

Unter dem Förderdeckel im Ökostromgesetz leiden nicht nur Personen, die sich eine Solaranlage aufs Dach stellen wollen, sondern auch die Hersteller der Anlagen und das Elektrogewerbe. "Die Basis für große Investitionen fehlt", so Martin Aichinger von ertex solar. Hierzulande gebe es eine aufstrebende Photovoltaik-Industrie, die Wechselrichter, Isolierfolien oder Modulteile müssten aber zum größten Teil im Ausland verkauft werden. Man könne die Produkte in Österreich weder positionieren noch ausprobieren. "Wir wollen einen langfristig stabilen Heimmarkt", forderte Aichinger.

Auch das Elektrogewerbe ist mit der Begrenzung der Förderung alles andere als glücklich. 10.000 Elektriker in Österreich könnten gerade einmal zwei Anlagen im Jahr verbauen, meinte Josef Witke von der Bundesinnung der Elektro- und Alarmanlagentechnik in der Wirtschaftskammer (WKO). Finanzminister Josef Pröll und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (beide V) sollten nach Bayern sehen. Dort installiere ein einziger größerer Betrieb so viel wie die gesamte österreichische Leistung.

Die heute aufgelegte Petition hat in den ersten zwei Stunden bereits 500 Unterstützungserklärungen bekommen. Bis Herbst rechnet der ehemalige FPÖ-EU-Abgeordnete Kronberger mit 10.000 Unterschriften. Der freiheitliche Energiesprecher Norbert Hofer unterstützt die Petition und will mit den Regierungsparteien verhandeln. "Denn bei der kleinen Novelle des Ökostromgesetzes im Vorjahr habe ich nur unter der Voraussetzung zugestimmt, dass der Deckel in dieser Form fällt", meinte der FP-Abgeordnete heute in einer Aussendung. Auch Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes, sprach sich für ein "funktionierendes" Ökostromgesetz aus. Die 0,75 bis 2,25 Euro an monatlichen Zusatzkosten pro Haushalt, die nötig wären, um das 8-Prozent-Ziel bei Sonnenstrom zu erreichen, würden 36.000 Arbeitsplätze und 7 Mrd. Euro an Wertschöpfung schaffen, rechnete er vor.

Quelle: APA

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