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EAG setzt auf Energieeffizienz

Linz, 10.05.2010

Die Steigerung der Energieeffizienz und die volle Ausschöpfung der Wasserkraftpotenziale sind für den Generaldirektor der oberösterreichischen Energie AG (EAG), Leo Windtner, die wirksamsten Instrumente, um die EU-Vorgaben hinsichtlich einer CO2-Reduktion zu erreichen.

Besondere Bedeutung komme dabei Pumpspeicherkraftwerken zu, deren Ausbau die EAG in den kommenden Jahren weiter vorantreiben wolle, wie er im Rahmen einer Pressereise nach Bremen sagte. Laut EU sollen unter dem Motto "20-20-20 bis 2020" in den kommenden zehn Jahren die Treibhausemissionen um 20 Prozent reduziert und der Anteil an erneuerbaren Energien sowie die Effizienz um 20 Prozent gesteigert werden. Falls die Ziele nicht erreicht werden, drohen saftige Strafen. "Ich bin überzeugt, dass das keine Regierung zahlen wird", prognostizierte Windtner, die Kosten würden an die Branche weitergegeben, ist er sich sicher.

Land der Wasserkraft

Österreich sei ein Wasserkraftland, betonte der EAG-Chef. Der Beitrag zum europäischen Gesamtenergieaufkommen sei zwar nicht besonders groß, dafür sei das Land bei der Ausgleichsenergie überproportional vertreten. Der Grund seien die Pumpspeicher-Kraftwerke, für die es einige Top-Standorte gebe. Deren Ausbau will die EAG auch in den kommenden Jahren weiter vorantreiben.

Allen voran plant das Unternehmen in Ebensee ein entsprechendes Projekt. Hier wird Wasser aus dem Traunsee entnommen und 400 Meter auf den Sonnstein hochgepumpt. Dann schießt es wieder in eine Turbine hinunter. Das Vorhaben kostet rund 150 bis 200 Mio. Euro und soll in den kommenden 5 bis 8 Jahren fertig sein, erwartet Windtner. Die Leistung der oberösterreichischen Pumpspeicher würde sich damit auf rund 300 Megawatt gegenüber dem derzeitigen Wert verdoppeln.

Ebensee und die Erneuerung des Kraftwerks Riederbach sollen in die Bewilligungsphase vorangetrieben werden, plant Windtner. Das sei auch ein "Präventivschlag" hinsichtlich "20-20-20", denn niemand könne der EAG dann vorwerfen, sie hätte keine entsprechenden Projekte angeboten. Für eine Beteiligung an einem von mehreren privaten Projekten, die diskutiert werden, sei man offen, so der Konzern-Chef weiter. Aber derzeit habe er keinerlei Daten als Entscheidungsgrundlage auf dem Tisch.

PV statt Windkraft in Österreich

Eher nur beschränktes Potenzial sieht Windtner bei der Windenergie in Österreich. Man müsse auch die Kirche im Dorf lassen, denn ein höherer Anteil an alternativen Energieformen wirke sich auch auf den Strompreis aus. Dennoch sei er dafür, sich breit aufzustellen: Das größte Photovoltaikkraftwerk Österreichs in Eberstalzell etwa, das die EAG betreibt, habe bereits den Probebetrieb aufgenommen, berichtete Windtner. Für ihn hat die Anlage Vorreiter-Charakter und dient auch der Forschung: Fünf verschiedene Typen von Paneelen kommen dort zum Einsatz und werden unter Praxisbedingungen getestet.

"Die Energiepreise werden in den kommenden Jahren signifikant steigen", erwartet Windtner. Man könne nicht genau sagen, wann, "aber es wird passieren". Deshalb laute das Rezept Energieeffizienz. Vor allem bei Häusern aus den 70er und 80er Jahren werde immer noch viel beim Fenster hinausgeheizt. Das habe auch eine sozialpolitische Komponente. "Da wird die Politik nicht zuwarten können", ist der EAG-Chef überzeugt, dass kein Weg daran vorbeiführen wird, die Effizienzsteigerung voranzutreiben.

Nordsee im Fokus

Die Nutzung der Windenergie an der Nordsee ist auf dem besten Weg, einen "signifikanten Beitrag" zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energieformen in Europa zu leisten. Davon ist der Windtner, überzeugt. "Ich bin überwältigt, wie weit man in Sachen Windenergie gekommen ist", zeigte sich Windtner beeindruckt. Die Anlagen, die immer leistungsfähiger werden, könnten künftig "das Überleben sichern", wenn sich Europa zunehmend von der Kernkraft verabschiede, hofft er.

Trotz der immensen Fortschritte, die in Norddeutschland bei der Windkraft erzielt wurden, sieht Windtner in Oberösterreich nur begrenzte Einsatzmöglichkeiten. Es gebe lediglich eine Hand voll potenzieller Standorte. Diese Möglichkeiten sollten genutzt werden, allerdings müsse man zur Kenntnis nehmen, dass in Österreich lediglich an die 2.000 Volllaststunden im Jahr möglich seien - im Gegensatz zu 3.000 an der nordeuropäischen Küste und noch mehr auf dem offenen Ozean. Der geplante Windpark "Silventus" im Kobernaußerwald sei "nicht uninteressant", allerdings wolle die EAG nicht in Projekte einsteigen, bei denen es von Haus aus Widerstand gebe, so der EAG-Chef.

In Norddeutschland seien die Gegebenheiten günstiger, erklärte Windtner. Als Beispiel lud er zu einem Lokalaugenschein an die Nordsee-Küste: Die 2003 gegründete BARD-Gruppe hat sich auf "schlüsselfertige Windparks" spezialisiert. Mittlerweile sind an den Standorten Bremen, Emden und Cuxhaven insgesamt rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Aktuell wird am Projekt "BARD Offshore 1" rund 100 Kilometer nordwestlich von Borkum gearbeitet. Der 60 Quadratkilometer große Windpark - die Investitionskosten liegen bei rund 1,5 Mrd. Euro - soll mit seinen 80 Windrädern eine Gesamtleistung von 400 Megawatt haben und so mindestens 400.000 Haushalte versorgen. Derzeit werden die Fundamente im Meeresboden verankert, die Fertigstellung ist für 2011 geplant. Fünf weitere Windparks aus dem Hause BARD in der deutschen und niederländischen Nordsee sind bereits genehmigt.

Am Standort in Cuxhaven, wo bei der Tochter BARD Steel Construction rund 300 Leute arbeiten, werden die riesigen Stützkreuze für die Windräder gefertigt. Ein einziger der über 20 Meter hohen Stahlkolosse wiegt knapp 500 Tonnen. Jedes Stützkreuz wird auf drei Fundamentrohren montiert. Diese sind etwa 90 Meter lang und werden 40 Meter tief in den Meeresgrund eingebracht. Mit Fundament und Rotor wiegt eine Anlage insgesamt knapp 3.000 Tonnen. Der Transport vom Werk zum Bestimmungsort wäre auf terrestrischem Weg logistisch unmöglich. Windräder am Festland, wie sie im Norden Deutschlands das Umgebungsbild prägen, sind daher wesentlich zierlicher. Allerdings ist hier die Problematik der "Horizontverschmutzung" relevanter, Anlagen auf dem offenen Meer sind hingegen wegen der Erdkrümmung von der Küste aus nicht zu sehen.

Quelle: APA

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