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Windstrom wird als Erdgas gelagert

Wien/Salzburg, 27.04.2010

Elektrizitätsunternehmen stöhnen unter den schwankenden Mengen, die aus Wind- und Solaranlagen in das Netz eingespeist werden. Noch gibt es keine funktionierenden Speicher für diese Überschüsse. Eine deutsch-österreichische Kooperation ist der Lösung nun einen Schritt näher. Aus Windstrom und Photovoltaik wird mittels eines neuen Verfahrens synthetisches Erdgas hergestellt.

Vorteil dabei ist, bei der Speicherung kann auf die bestehende Erdgasinfrastruktur zurückgegriffen werden. Das Verfahren wurde vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES entwickelt. Für die industrielle Umsetzung ist das Salzburger Unternehmen Solar Fuel Technology zuständig. In Stuttgart läuft bereits eine von den Salzburgern aufgestellte Demonstrationsanlage mit einer Leistung von 50 kW, 2012 soll eine deutlich größere Anlage mit etwa 10 MW in Betrieb gehen.

Die deutschen Forscher kombinieren bei der Herstellung des synthetischen Gases die beiden Technologien Wasserstoff-Elektrolyse und Methanisierung. "Die Stuttgarter Anlage spaltet aus überschüssigem erneuerbarem Strom Wasser per Elektrolyse. Dabei entsteht Wasserstoff und Sauerstoff. Durch eine chemische Reaktion des Wasserstoffs mit Kohlendioxid wird Methan erzeugt, was nichts anderes als synthetisches Erdgas ist", erklärt Michael Specht vom ZSW.

Die Speicherung stelle das kleinste Problem dar, schließlich gebe es die Infrastruktur bereits seit Jahrzehnten. Die Speicherkapazität des deutschen Erdgasnetzes beträgt laut den Wissenschaftern rund 200 TWh, was etwa dem dreifachen des jährlichen österreichischen Stromverbrauchs entspricht. Im Stromnetz könne man dagegen nur 0,4 TWh vorhalten. "Das heißt, dass im Gasnetz Energie drei Monate gespeichert werden kann, im Stromnetz dagegen nur eine halbe Stunde", so Gregor Waldstein, Geschäftsführer von Solar Fuel Technology, gegenüber der APA.

Produktion wird besser planbar

Der Wirkungsgrad bei der Umwandlung liege wohl erst bei 60 Prozent. "Das ist aber immer noch besser als ein vollständiger Verlust", so Specht. Letztlich müsse auch die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten werden. In den vergangenen Monaten habe das Überangebot an Wind- und Sonnenstrom an den Strombörsen bereits zu negativen Preisen geführt. Dieses Überangebot könnte künftig in Erdgas konvertiert in den Vorrat gehen, meint Specht weiter. Dadurch würde die Stromproduktion von Windparks und Solarkraftwerken besser planbar und die Netze entlastet.

Solar Fuel Technology sieht in einem ersten Schritt Deutschland als interessanten Markt. "In Österreich ist der Leidensdruck nicht so groß", erläutert Waldstein. Das liegt unter anderem auch daran, dass Österreich als Wasserkraftland in den Pumpspeicherkraftwerken große Speicherkapazitäten hat. In Deutschland erwartet sich Waldstein Potenzial darin, wenn sich die Technologie im Rahmen des Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) wiederfindet: "Deutschland ist diesbezüglich weit voran."

Quelle: APA

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