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Studien: 100 Prozent Erneuerbare bis 2050 möglich

Wien, 16.04.2010

Europa könnte sich bis Mitte des Jahrhunderts zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgen. Das besagt ein Report im Auftrag des Consulters PricewaterhouseCoopers (PwC), an dem auch das in Österreich ansässige International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) mitwirkte. Unabdingbar dafür ist laut der Studie, dass in gemeinsamer Anstrengung ein europaweites Supernetz (supersmart grid) realisiert wird.

Dieses soll die Wasserkraft Skandinaviens und der Alpenregion mit den onshore- und offshore-Windparks des Baltikums und der Nordsee und die Sonnenenergiefarmen Südeuropas und Nordafrikas verbinden. Nur mit einem paneuropäischen Netz unter Einbeziehung Nordafrikas sei es möglich, das volle Potenzial der Erneuerbaren zu nutzen, schreibt PwC. Das superintelligente Netz müsse eine flexible, dezentrale Einspeisung diskriminierungsfrei gewährleisten und Netzschwankungen störungsfrei ausgleichen.

PwC gesteht der Atomkraft und CCS (carbon storage and capture) derzeit zwar einen zentralen Beitrag zum "CO2-Abbau in der europäischen Stromversorgung" zu. Gleichzeitig wird jedoch betont, dass die Erneuerbaren bereits derart reife technologische Entwicklungsstadien erreicht hätten, das ebenfalls zu schaffen, wenn politisch und gesellschaftlich gewünscht. Noch sei aber das ökonomische Umfeld nicht so weit, heißt es.

Genau hier setzt die Roadmap, die aus der Studie hervorgeht, an. Sie soll den Übergang von einer atomar-fossilen hin zu einer regenerativen Stromversorgung im Jahr 2050 vorzeichnen. Der Politik komme hier vor allem die Aufgabe zu, den "Markt zu bereiten" und die rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu formulieren.

Umsetzung muss "jetzt" beginnen

Der Zeitplan, den die Roadmap vorgibt, ist durchaus eng. Wind- und Solarkraft müssen bis 2015 massiv ausgebaut werden, genauso sieht es mit den smart grids aus. Subventionen und Zuschüsse für die fossile Stromgewinnung müssten ab 2020 auslaufen und ab 2030 der Park an kohlebasierten Kraftwerken rasch reduziert werden, damit ab 2040 erneuerbare Großkraftwerke auf breiter Basis zum Einsatz kommen können.

Der Fahrplan sei zwar ambitioniert, aber ein machbarer und sinnvoller, um den CO2-Output der europäischen Stromindustrie nahe Null Prozent zu bringen, argumentiert Antonella Battaglini vom Potsdam Institute for Climate Impact Research, eine der Autorinnen der Studie. Am Geld dürfte es nicht scheitern. Wasserkraft koste mittlerweile nicht mehr als Kohle oder Atomenergie und den Preisen für Strom aus Windanlagen an guten Standorten fehlt nicht mehr viel auf Marktniveau. Für die Wissenschafter gehört die Zukunft jedoch den solarthermischen Kraftwerken. Geht es nach der Studie, wird sie Mitte des Jahrhunderts die billigste Technologie überhaupt sein.

Als Treiber der Entwicklung identifiziert Anthony Patt von der IIASA die Kombination aus ständig steigendem Stromverbrauch und dadurch höheren Anforderungen an die Versorgungssicherheit. Das werde unbestreitbar zu Verschiebungen am Energiesektor führen.

Weitere Studie unterstützt PwC-Report

Die großen internationalen Beratungsunternehmen sind sich jedenfalls einig. McKinsey kommt nämlich in einer Studie im Auftrag der Europäischen Klimastiftung ECF zu einem ähnlichen Schluss. Erfreut über derartige Studien sind natürlich Umwelt-, Klima- und Erneuerbaren-Organisationen. "Das Szenario mit 100 Prozent erneuerbaren Energien liefert genauso verlässlich und kostengünstig Strom wie andere Niedrig-CO2-Szenarien, die noch auf Kernkraft oder Kohle setzen. Jetzt gibt es keinen vernünftigen Grund mehr, auf diese Risikotechnologien zu setzen", kommentierte Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch, das Ergebnis. von Hermann Mörwald/APA

Quelle: APA

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