Regulierung drückte Renditen der Energieversorger
Wien, 10.02.2010
Österreichs E-Wirtschaft hat unter der Öffnung des Strommarktes in den ersten Jahren gelitten, jetzt sind die heimischen Energieversorger (EVU) aber für die Zukunft gut aufgestellt, so das Ergebnis einer Studie von Accenture. Im Vergleich zu deutschen oder Schweizer Elektrizitätsunternehmen weisen die hiesigen EVU aber niedrigere Renditen für ihr investiertes Kapital (ROIC) auf.
Schuld daran sei die "durchaus forsche Gangart", mit der die Liberalisierung in Österreich vonstattenging, sagte Wolfgang Anzengruber, Präsident des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ) und Verbund-Chef. Damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen EVU erhalten bleibt, brauche es eine sinnvolle Standortpolitik, so Accenture-Energieexperte Hans-Peter Schmid. Die wesentlichen "Erfolgsfaktoren" für die Zukunft seien Energieeffizienz, technologische Innovationen und der Ausbau der Erzeugungskapazitäten, heißt es in der Studie.
Investieren lassen
Bestimmend für die EVU sei momentan die Nachhaltigkeit respektive die Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, sagte VEÖ-Generalsekretärin Barbara Schmidt. Um die geplanten Investitionen der heimischen E-Wirtschaft in Erzeugung und Netze von etwa 1,5 Mrd. Euro jährlich bis 2020 zu sichern, seien geeignete Rahmenbedingungen notwendig, so Anzengruber, der für heuer auf die "richtigen Weichenstellungen" bei der Energiestrategie, der Wasserrahmenrichtlinie und der Umsetzung des dritten Binnenmarktpakets hofft. "Man muss uns auch investieren lassen" und soll die E-Wirtschaft nicht durch eine "überzogene Regulierung" behindern.
Strom mache zwar nur rund 18,6 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Österreich aus, habe aber das Potenzial, den Strukturwandel im Energiesektor zu tragen. Um die EU-Klimaziele (Erhöhung des erneuerbaren Energieanteils von 23 auf 34 Prozent bis 2020) zu erreichen, müsse vor allem die Wasserkraft ausgebaut werden, bekräftigte der Verbund-Chef.
Smart Metering: Verschiedene Rechnungen
Ein weiteres Thema sind laut dem Analysten Schmid intelligente Stromzähler, die vom heimischen Regulator E-Control schon länger urgiert werden. Anzengruber geht davon aus, dass die flächendeckende Versorgung mit sogenannten Smart Meter insgesamt "an die zwei Milliarden Euro" kostet und sieben bis acht Jahre dauert. Die Kosten dafür werden wohl auf die Kunden abgewälzt, und zwar über die Netztarife. Auch heute enthielten diese schon die Zählerpauschalen, so Anzengruber. Um mit dem Einbau der neuen Zähler beginnen zu können, brauche es unbedingt eine Standardisierung der Geräte und Datenformate.
Auch dem Thema Datenschutz müsse man große Bedeutung beimessen. Wieviel Strom durch die Smart Meter eingespart werden könnte, konnte Anzengruber nicht sagen. Es gehe um die "Vergleichmäßigung im Verbrauch" und darum, mehr Bewusstsein bei den Konsumenten zu schaffen. "Bei wie vielen steht beim Kühlschrankkauf die Energieeffizienz wirklich an erster Stelle?"
Die Regulierungsbehörde E-Control ist vergangenes Jahr auf Nachfrage auf eine Investitionssumme von 800 Mio. bis 1 Mrd. Euro gekommen. Nach Rechnung der E-Control wäre das "im Wesentlichen" ohne Erhöhung des Messentgelts (derzeit maximal 2,4 Euro) finanzierbar, würde dem Kunden also keine Zusatzkosten bescheren.
In Deutschland rechnet man wiederum anders. Dort geht man von einer Investitonssumme für eine flächendeckende Installation von etwa fünf Milliarden Euro aus. Zugrundegelegt werden dabei 49 Millionen Stromzähler. Damit würde ein intelligenter Stromzähler mit allem Drum und Dran rund 100 Euro kosten, in Österreich wäre er je nach Berechnung rund zwei (E-Control) bis drei Mal (VEÖ) so teuer. Ein österreichisches Stadtwerk, dass bereits seit längerem mit intelligenten Zählern arbeitet, bezifferte im vergangenen Jahr gegenüber den APA-OnlineJournalen die Kosten für ein derartiges Gerät mir dem drei- bis vierfachen eines konventionellen (rund 40 Euro).
Österreichs EVU schwächeln bei der Profitibilität
Für eine "maßvolle Regulierung" in Österreich sprach sich Schmid von Accenture aus und verwies auf die Studie, für die die Performance von 121 EVU aus Österreich, Deutschland und der Schweiz von 1999 bis 2007 sowie deren Zukunftsaussichten analysiert wurde.
Von 1999 bis 2001 sei es zu einem "deutlichen Rückgang" der Unternehmenswerte gekommen, ab 2002 habe diese Entwicklung gestoppt werden können. Bei der Rentabilität liegen die österreichischen EVU unter jenen der Nachbarländer. Der durchschnittliche ROIC betrug in der Schweiz 14,0 Prozent, in Deutschland 9,6 Prozent und in Österreich nur 5,6 Prozent. Hauptursachen dafür seien die frühe Liberalisierung und die starke Regulierung mit deutlichen Senkungen der Netztarife, so Schmid. Von 2006 auf 2007 habe sich der ROIC dann vor allem dank gestiegener Großhandelspreise vergrößert. Die Rendite für Investitionen sei "wesentlich", denn von dieser sei das Rating abhängig, meinte Anzengruber. Und je schlechter die Rendite, desto teurer das Geld am Kapitalmarkt.
Im Laufe der Zeit sei dann die Schere zwischen den 20 besten EVU und den 20 "Nachzüglern" stark auseinandergegangen, so Schmid. "Die EVU reagierten unterschiedlich auf die neue Situation." Zu Beginn der Liberalisierung habe der Preisdruck den größeren Unternehmen stärker zugesetzt. Durch Kostensenkungen, Zukäufe und Ausbau des Kraftwerksparks hätten diese ihre Rentabilität aber erhöhen können. "Der Druck auf kleine Unternehmen ohne eigene Erzeugung nimmt zu."
Mehr Investitionen nötig
Der Verschuldungsgrad der untersuchten Unternehmen sank laut der Studie von 142 (1999) auf 133 Prozent (2007). Dieser Entwicklung stehe jedoch ein steigender Investitionsbedarf in den kommenden Jahren gegenüber, sei es, aufgrund neuer Technologien wie beispielsweise Energiespeicherung oder intelligenten Stromzählern. "Wir rechnen damit, dass es nicht zuletzt infolge sinkender operativer Cashflows bei gleichzeitig steigendem Finanzierungsbedarf in den kommenden Jahren zu weitaus kleineren Handlungsspielräumen bei den Gewinnausschüttungen kommt", erläuterte der Studien-Mitautor Andreas Bausch, Professor für Strategische und Internationale Unternehmensführung an der Jacobs University Bremen, bereits im vergangenen Jahr. Von 1999 bis 2007 seien die Gewinnausschüttungen noch um fast 40 Prozent gestiegen.
E-Control: Netztarife mit Augenmaß
Beim heimischen Regulierer E-Control sieht man die Kritik an der angeblich zu raschen Senkung der Netztarife klarerweise ganz anders. Die Netzbetreiber haben immer genug Geld für Investitionen bekommen. Nach den ersten Jahren der Regulierung der Stromnetze sei das Anreizregulierungssystem im Jahr 2006 in Abstimmung mit den Unternehmen eingeführt worden, um ein längerfristiges System für die Netzbetreiber mit Anreizen für Kostensenkungen zu schaffen.
Den Netzbetreibern wurde dabei laut dem Regulierer neben einer durch Effizienzvorgaben beeinflussten Kostenbasis in den vergangenen Jahren auch ein Mengen-Kosten-Faktor zugestanden, um zusätzliche Kosten aus der Erweiterung der Aufgaben des Netzbetreibers aufgrund von Mengensteigerungen auszugleichen. Es hat sich gezeigt, dass in den Jahren 2006 bis 2008 die Investitionstätigkeit gegenüber den Vorjahren (Tiefpunkt 2002) deutlich gesteigert wurde. Die von den Netzbetreibern häufig genannte nicht ausreichende Abgeltung von Investitionskosten im Rahmen der Anreizregulierung habe somit keinen deutlich negativen Einfluss auf die Investitionstätigkeit gehabt, da die Summen von etwa 250 Mio. Euro auf mehr als 350 Mio. Euro gesteigert wurden, schreibt die E-Control.
Quelle: APA
