E-Mobilität: Gleichung mit vielen Unbekannten
Wien, 01.02.2010
"E-Mobility: Zu viel Innovation um erfolgreich zu sein?" - so lautet der programmatische Titel einer aktuellen Analyse, in der sich die Unternehmensberatung A.T Kearney abmüht, aus einer schwer überschaubaren Vielzahl von Faktoren Strategien für die Auto- und Zulieferindustrie zu destillieren. Die von Regierungen, aber auch den Kunden vorgegebene Marschrichtung in Richtung Elektromobilität führt zu einer Reihe von Problemen für die Kfz-Industrie - aber bei weitem nicht nur für diese.
Ein Beispiel ist der Umstand, dass ein Elektroauto, das mit Strom aus einem kalorischen Kraftwerk fährt, keine oder nur eine geringfügig bessere CO2-Bilanz hat als ein herkömmlicher Pkw. In China, wo ein Großteil des Stroms aus Kohle produziert wird, verursacht ein Elektroauto überhaupt mehr Treibhausgasemissionen als eines mit Verbrennungsmotor, wie aus der der APA vorliegenden Querschnittsanalyse hervorgeht: "Nur die Verwendung von Strom aus erneuerbaren Energien verspricht deutliche Verbesserungen." Die erneuerbaren Energien werden nach Meinung des Autors des Papiers aber erst ab der "zweiten Generation" richtig spannend.
Zweifel hat man bei A.T Kearney weiters daran, ob das für die Batterien notwendige Lithium ausreichend vorhanden ist und ob dessen Versorgungssicherheit besser ist als beispielsweise jene von Erdöl. 45 Prozent der der Weltproduktion von Lithium kommen heute aus Chile. Ab 2020 werde wohl nur eine 100-prozentige Recyclingquote Lithium-Engpässe verhindern können, zeigt eine Überschlagsrechnung.
Viele unterschiedliche Konzepte
Die Autoindustrie selbst steht in den nächsten Jahren vor einer historisch beispiellosen Aufsplitterung der Antriebs- und Kraftstoffkonzepte, die mit der Zahl der vorhandenen Plattformen noch einmal multipliziert werden muss, sagt der Geschäftsführer von A.T.Kearney Österreich, Robert Kremlicka. Das mache es den Planern in der Industrie momentan "extrem schwer". Aber nicht nur den Herstellern selbst - setzt sich der Elektromotor durch, muss sich die gesamte Branche von Grund auf neu orientieren.
"Momentan prägen öffentliche Vorgaben und Förderungen den Mobilitätsmarkt stärker als jemals zuvor", sagt Kremlicka, der einen "Subventionswettbewerb" zwischen den Staaten konstatiert. Dieser Förderwettlauf werde "zusätzlich durch staatliche Krisenprogramme stimuliert". In ihrer überwiegenden Mehrzahl seien die angebotenen Hilfen "nicht technologieneutral" (forcieren also den Einsatz von Elektromotoren). Die Consulter rechnen damit, dass sich der CO2-Ausstoß auf Basis der herkömmlichen Technologie auf bis zu 100 Gramm pro Kilometer senken lässt, darüber hinaus sind "alternative Lösungen" vonnöten.
2020 wird ein Drittel der neu zugelassenen Pkw ausschließlich oder überwiegend ("Plug-in Hybrid") durch Strom betrieben, rechnet man bei A.T Kearney. Dessen Vision für die fernere Zukunft: Elektroautos werden im reinen City-Verkehr dominieren und "normale" Hybride wie der Toyota Prius als auch überlandtaugliche Familienautos verwendet werden. Lkw und schwere, hochpreisige Pkw werden nach wie vor mit Verbrennungsmotoren fahren.
Quelle: APA
