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Viele offene Fragen bei der E-Mobilität

Wien, 20.01.2010

Nach dem Verkehrsministerium und der Industrie haben nun auch das Umweltministerium und die Wirtschaftskammer eine Initiative zum verstärkten Einsatz von Elektroautos gestartet. Ziel sei es, 250.000 E-Fahrzeuge bis zum Jahr 2020 auf die Straßen zu bringen. Derzeit gibt es lediglich knapp 200 E-Autos. Die Industrie hatte zuletzt von gut 100.000 Elektrofahrzeugen bis 2020 gesprochen. Umweltminister Niki Berlakovich (V) hat am Mittwoch (20. Jänner) gemeinsam mit der Kammer ein entsprechendes "10 Punkte-Aktionsprogramm" präsentiert.

Wie hoch die Fördermittel sein werden und wie die nötige Infrastruktur konkret geschaffen werden soll, blieb aber offen. Zielgruppe des Programms sind Städte, Gemeinden und Unternehmen. Dass das Umweltministerium nun eine eigene Initiative präsentiert und dies nicht schon gemeinsam mit dem Verkehrsministerium getan hat, begründete Berlakovich mit den unterschiedlichen Aufgaben. Bei dem Projekt des Verkehrsressorts sei es eher um den Forschungs- und Entwicklungsbereich gegangen, während das jüngst präsentierte Aktionsprogramm auf die praktische Umsetzung abziele.

430.000 Tonnen weniger CO2

Mit dem Aktionsplan peilen die Initiatoren eine Reduktion der CO2-Emissionen um rund 430.000 Tonnen an. Generell ziele das Programm auf eine breite Markteinführung von Elektroautos auf Basis erneuerbarer Energieträger und eine erhöhte Energieeffizienz im Straßenverkehr, auf eine Erweiterung der Produktpalette an Serienfahrzeugen, auf den verstärkten Einsatz von E-Fahrzeugen in Flottenverbänden sowie auf die Errichtung eines dichten Netzes an Stromtankstellen ab. Zusätzlich soll ein "Masterplan Elektromobilität" erstellt werden.

Sollte das Ziel von 250.000 Fahrzeugen erreicht werden, dann würde der Stromverbrauch österreichweit um rund 2 Prozent steigen, schätzt Verbund-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber. Auf die Frage, woher dieses Mehr an Strom kommen soll, verwies er auf eine bessere Ausnutzung des bestehenden Netzes.

PricewaterhouseCoopers (PwC) ist in einer im vergangenen Jahr vorgestellten Studie von einem Mehrverbrauch von drei Prozent ausgegangen. Dabei wurde der Einsatz von bereits rund einer Millionen E-Autos (keine Hybrids, keine schweren Lkw) 2020 angenommen. Das wären dann rund 2,65 TWh zusätzlicher Strom bei einem Jährlichen Verbrauchswachstum von durchschnittlich zwei Prozent, erläuterte Studienautor Erwin Smole. Die Wissenschafter schließen daraus, dass keine zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten notwendig wären. Ebenso sei die Netzinfrastruktur ausreichend. Geld müsste dagegen beim Bau von Ladestationen in die Hand genommen werden.

570.000 Stromtankstellen notwendig

Berlakovich betonte vor Journalisten, dass der Verkehr für ein Viertel der Treibhausgase verantwortlich sei, es bestehe daher dringender Handlungsbedarf. Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer, assistierte und sprach von einer "Mammutaufgabe". So müssten die derzeit vorhandenen 12.000 Steckplätze auf 570.000 ausgebaut werden.

Mit der jüngsten Präsentation hat gleichzeitig der zweitägige Fachkongress "EL-MOTION 2010" gestartet, der sich mit neuen Technologien für die E-Mobilität im Personen- und Nutzfahrzeugbereich sowie mit entsprechenden Wertschöpfungspotenzialen und Handlungsoptionen für die Wirtschaft beschäftigt. Im Rahmen des Kongresses sind 14 klima:aktiv mobil-Partnerbetriebe ausgezeichnet worden. In Summe hätten die mittlerweile 51 Partnerbetriebe im Verkehrssektor mehr als 420.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart.

Die Bemühungen der E-Wirtschaft, mit Initiativen wie VLOTTE, Mobility House oder Austrian Mobile Power, in Sachen E-Mobilität strich unterdessen Barbara Schmidt, Generalsekretärin des Verbands der Elektrizitätsunternehmens Österreichs (VEÖ), heraus. Mit den 250.000 E-Autos bis 2020 könnte der Energiebedarf im Sektor Mobilität um 1,7 TWh gesenkt, 225 Millionen Liter Rohölimporte substituiert und 500.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.

VCÖ: Erneuerbaren-Anteil muss steigen

Ob ein E-Auto wirklich umweltfreundlich ist, hängt laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) von der Stromquelle ab. "Kommt der Strom von Kohlekraftwerken, dann ist die CO2-Bilanz ähnlich schlecht wie die von Fahrzeugen, die mit Benzin oder Diesel fahren", hieß es. Allerdings habe Österreich aufgrund des hohen Anteils erneuerbarer Energieträger gute Voraussetzungen für eine saubere Elektromobilität. Großes Potenzial sieht der VCÖ bei E-Mopeds. Im Jahr 2009 wurden mit 1.053 bereits doppelt so viele Elektromopeds neu zugelassen wie im Jahr 2008.

Quelle: APA

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