Rascher Verzicht auf "Fossil-Strom" möglich
Wien, 15.12.2009
Die Verbände für Strom aus erneuerbarer Energie haben sich bis 2020 einiges vorgenommen: In zehn Jahren möchte die Ökostrom-Branche - je nach Stromverbrauchsentwicklung - den Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie in Österreich auf 73 bis 99 Prozent ausbauen. Bei einer ambitionierten Energiepolitik wären sogar 100 Prozent möglich, so der Tenor einiger Branchenvertreter bei einem Pressegespräch in Wien. Die E-Wirtschaft meint dagegen, dass Österreich noch Jahrzehnte nicht auf thermische Anlagen verzichten könne.
Um dieses Ökostrom- Ziel zu erreichen, müssten bis zu 25 Mrd. Euro investiert werden. Das würde rund 36.000 Arbeitsplätze in Österreich schaffen, wird argumentiert.
Derzeit werden pro Jahr rund 45 Terawattstunden (TWh) oder 64 Prozent des gesamten Strombedarfs in Österreich aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Der Rest wird aus Öl, Kohle, Gas und Atomkraft erzeugt. In den nächsten zehn Jahren könnten die Erneuerbaren ihre Jahresproduktion so ausbauen, dass 70 TWh - so hoch ist der gesamte Strombedarf in Österreich - aus Groß- und Kleinwasserkraft, Biomasse, Biogas, Windkraft, Photovoltaik und Geothermie erzeugt werden, glauben die Ökostrom-Vertreter. Fossil-atomare Quellen wären dadurch überflüssig. "Jedes neue Kohlekraftwerk ist eine Fehlinvestition", sagte der Präsident des Bundesverbandes Photovoltaic Austria, Hans Kronberger. Josef Plank vom Österreichischen Biomasse-Verband hält sogar die geplanten Erdgas-Pipelines Nabucco, South bzw. Nord Stream für Fehlinvestitionen.
34 der 70 Terawattstunden werden derzeit aus Großwasserkraft erzeugt. Allein diese Energiequelle habe ein Potenzial von 4,5 TWh. Die Kleinwasserkraft könnte bis 2020 von aktuell 5,5 auf 8 TWh ausgebaut werden, meinte Martina Prechtl, Geschäftsführerin der Kleinwasserkraft Österreich. Strom aus Biomasse könnte von 3,1 auf 6 TWh steigen, aus Windkraft von 2,1 auf 7,3 TWh. Das Potenzial für Photovoltaik liege bei 6,8 TWh.
VEÖ für Erzeugungsmix
Verstärkt auf Erneuerbare - vor allem auf Wasserkraft - will man auch beim Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ) setzen. Es brauche aber einen "flexiblen Versorgungsmix". Daher werde man in Österreich noch über Jahrzehnte auf die hocheffizienten thermischen Anlagen angewiesen sein. "Die E-Wirtschaft leistet hier seit vielen Jahren Beiträge zur Erhöhung der Energieeffizienz und zur Reduktion von Schadstoff- und CO2-Emissionen", erklärte VEÖ-Generalsekretärin Barbara Schmid.
Obwohl der Stromverbrauch in Österreich im Zeitraum 1990 bis 2008 um 35 Prozent gestiegen sei, habe man die absoluten Emissionen durch die Erhöhung der Energieeffizienz in den Kraftwerken um mehr als zehn Prozent seit 1990 praktisch gleich halten können. Durch die laufende Modernisierung der konventionellen Kraftwerke in Österreich seien in diesem Zeitraum rund drei Millionen Tonnen CO2 eingespart worden. "Das ist gleich viel wie der Masterplan Wasserkraft bis 2020 bringen kann.
Thermische Anlagen sind gleichzeitig der Garant für die Versorgungssicherheit, während beispielsweise Frankreich aktuell gerade mitten in einer Kältewelle Probleme hat", meinte Schmid. Der flexible Erzeugungsmix dürfe bei aller Euphorie für nachhaltige Potenziale nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.
Quelle: APA
