VEÖ: Österreichs E-Wirtschaft bereits CO2-effizient
Wien, 01.12.2009
Österreichs Elektrizitätswirtschaft weist in der EU die zweitniedrigsten Kohlendioxid-Emissionen pro erzeugter Kilowattstunde auf. Grund dafür ist der mit zwei Drittel sehr hohe Wasserkraftanteil. Nur Frankreich liegt dank seiner Atomkraftwerke noch niedriger beim CO2. Zwischen 1990 und 2007 ist Österreichs Stromproduktion um 23 Prozent gestiegen, der CO2-Ausstoß sank aber zugleich um fast vier Prozent, erklärten eine Woche vor Beginn der Kopenhagen-Klimakonferenz Branchenvertreter in Wien.
Die heimische E-Wirtschaft ist für rund 8 Mio. der insgesamt etwa 88 Mio. t CO-Emissionen Österreichs verantwortlich. Dafür wird die Branche im Emissionshandel nach dem Jahr 2012 Verschmutzungsrechte für rund 160 Mio. Euro kaufen müssen, sofern der Preis pro CO2-Tonne bis dahin von derzeit 13 auf 20 Euro steigt, wie die Geschäftsführerin Wien Energie Wienstrom, Susanna Zapreva, vorrechnete. Allerdings könnten die CO2-Kosten auch auf 30 Euro/t steigen. Deshalb steigere die E-Wirtschaft für die Zeit nach den Gratiszertifikaten die Wirkungsgrade in den thermischen Kraftwerken.
Mehr Effizienz und höhere Wirkungsgrade
Von 2005 bis 2009 seien die Wirkungsgrade im Schnitt von 37 auf 41 Prozent verbessert worden, mit den heutigen Projekten seien 47 Prozent bis 2012 erreichbar, sagte Zapreva. Dabei müsse bedacht werden, dass sich mit 10 Prozentpunkten verbessertem Wirkungsgrad 3 Mio. t CO2 einsparen lassen. Das technisch erreichbare Maximum liege derzeit bei 58 Prozent. Daneben setzt die Branche noch auf eine Verbesserung der Effizienz bei den Endkunden sowie einen verstärkten Einsatz regenerativer Energieträger wie Wasserkraft.
Für Kopenhagen forderte die Strom-Spitzenmanagerin, dass den von der EU angebotenen bzw. geforderten Zielen auch messbare Beiträge und vergleichbare Anstrengungen der anderen Länder gegenüberstehen. "Ein Alleingang der EU zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen wird das Weltklima nicht retten", so Zapreva. Aus den bisher für die Welt-Klimakonferenz genannten Zielen lasse sich eine Reduktions-Summe von 12 bis 19 Prozent ableiten, je nachdem ob Europa mit minus 20 oder minus 30 Prozent dabei ist. Die EU wäre zu ambitionierteren minus 30 Prozent bereit, falls auch andere Staaten stärker senken.
Unterschiedliche Messsysteme
Allerdings würden bei den CO2-Reduktions-Ankündigungen oft auch Äpfel mit Birnen verglichen: "Die von den einzelnen Ländern gemachten Zusagen sind nicht vergleichbar ambitioniert wie die EU-Ziele", so Zapreva. Als Beispiel nennt sie die USA, die zwar von einer Reduktion um 17 Prozent sprechen, aber bezogen auf 2005 und nicht auf 1990, wie es korrekt wäre. Demnach wären es dann nur 3 bis 4 Prozent Minus.
Von den weltweiten Emissionen des Treibhausgases CO2 von 30 Mrd. t stammen lediglich 14 Prozent aus der EU-27, darunter 88 Mio. t (0,3 Prozent der Welt) aus Österreich. China und die USA sind demgegenüber für 21 bzw. 20 Prozent verantwortlich, so Zapreva. Daher müssten "alle" bei namhaften Senkungen mitmachen, "auch China und die USA". Um die durchschnittliche Temperatur auf der Erde um maximal 2 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Ära ansteigen zu lassen, wäre nach Ansicht gemeinsamer Erkenntnisse mehrerer tausend Wissenschafter eine CO2-Reduktion um 25 bis 40 Prozent nötig, erinnerte Zapreva.
Spitzenplatz in der EU
Bei der heimischen Stromerzeugung sind 2007 pro kWh 0,17 Kilogramm CO2 angefallen, im EU-27-Durchschnitt waren es 0,39 und in Frankreich 0,05 kg/kWh, verwies VEÖ-Generalsekretärin Barbara Schmidt auf Eurelectric-Daten. Recht hohe Werte weisen Polen mit 0,88 und Tschechien mit 0,65 kg pro kWh auf, in Deutschland sind es 0,49 und in Italien und Großbritannien jeweils 0,47 Kilo CO2 pro kWh Strom. Noch niedrigere Werte als Österreich dürften in Europa außer Frankreich nur noch Norwegen (besonders hoher Wasserkraftanteil) und die Schweiz (Wasserkraft, Atom) aufweisen, schätzen Branchenexperten.
Österreichs Strom kommt zu zwei Dritteln aus Wasserkraft und zu einem Drittel aus thermischer Erzeugung. An diesem flexiblen Mix werde sich auch künftig nichts ändern, so die Generalsekretärin des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ). Ob die CO2-Zertifikatskosten auf die Stromkunden überwälzt werden? Dazu der VEÖ-Sprecher der Sparte Erzeugung, EAG-OÖ-Vorstandsdirektor Werner Steinecker: "Der Strompreis ist eher dazu geneigt, mehr oder weniger hinaufzugehen, aber nicht mehr in dem Maß nach unten, wie dies zu Beginn der Liberalisierung der Fall war."
Quelle: APA
