Energieverbrauch mit einem Mix senken
Wien, 19.11.2009
"Wir müssen den Endenergiebedarf senken. Und dazu brauchen wir Strom". Mit dieser auf den ersten Blick paradoxen Botschaft ließ Walter Auer, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Energietechnik (OGE) im Österreichischen Verband für Elektrotechnik (OVE), am 19. November bei einer Veranstaltung aufhorchen. Der Einsatz von fossilen Primärenergieträgern könne nur mit Strom wirkungsvoll verringert werden. Ein Beispiel seien Wärmepumpen.
Strom sei nötig, um fossile Energieträger zu steuern, regeln und zu ersetzen, sagte Auer vor Journalisten. Erneuerbare Energieträger wiederum erforderten eine Speichermöglichkeit, denn "in der Nacht gibt es keine Photovoltaik".
Auch OVE-Präsident Gunter Kappacher von Siemens Österreich verwies auf die Wichtigkeit der Effizienz bei der Energieumwandlung. Das voriges Jahr von der E-Control herausgebrachte "Grünbuch Energieeffizienz" fordere, thermische Kraftwerke ohne Wärmenutzung mit einem Wirkungsgrad unter 50 Prozent zu ersetzen. Das betreffe etwa ein Viertel der thermischen Kraftwerke in Österreich. Bei modernen Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sei ein Gesamtwirkungsgrad von 80 Prozent erreichbar.
Bei optimaler Wärmenutzung ergebe sich eine Einsparung an Umwandlungsverlusten, die fast 12 Prozent des Endenergieverbrauchs der heimischen Haushalte entspräche. Schon eine Erhöhung der Wirkungsgrade um 2 Prozent bringe bei modernen Gasturbinen eine jährliche CO2-Reduktion von 43.000 Tonnen. Dieselbe Menge stoßen 9.500 VW-Golf aus, die im Jahr 20.000 Kilometer fahren.
Hohes Potenzial in den Haushalten
Ein weiteres Thema sei die Modernisierung der Antriebstechnik. Hier könne die österreichische Industrie jährlich rund 4.200 Gigawattstunden (GWh) Energie einsparen. Einiges zu tun gebe es auch im Haushaltsbereich. Das umstrittene Verbot von Glühbirnen könnte den privaten Stromverbrauch in Deutschland um 6 Prozent verringern. Gleichzeitig würden die Haushalte vier Mio. Tonnen weniger Treibhausgase produzieren.
"Wollen wir uns wirklich eine Diskussion über die 100-Watt-Glühbirne leisten", so Kappacher in Anspielung an die breite Front, die sich gegen die EU-Anordnung gebildet hat. Ein Verbot von ineffizienten Kühlschränken wäre aus seiner Sicht auch kein Fehler. Wichtig sei zudem der weitere Ausbau erneuerbarer Energie. Hier brauche Österreich allerdings ein "verlässliches Förderregime" und eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren. Kappacher wünscht sich intelligenter Stromzähler.
Smarte Technologien unumgänglich
Die sogenannten Smart Meter sind auch bei E-Control-Chef Walter Boltz weiterhin ganz oben auf der Agenda. Die EU-Länder müssen in den kommenden ein bis zwei Jahren Machbarkeitsanalysen anfertigen und dann bis 2020 rund 80 Prozent aller Haushalte mit intelligenten Zählern versorgen. "In Österreich könnten wir das schneller machen", sagte Boltz. Die E-Control sei diesbezüglich nach wie vor in Gesprächen mit der E-Wirtschaft. Diese müsste etwa 1 Mrd. Euro investieren, so Boltz. Für die Energiefirmen "rechnet sich das alles locker", immerhin könnten sie mit Smart Metern auch ihre eigenen Prozesse optimieren.
Finanziert werden könnten die Zähler mit den Entgelten, die die Kunden schon jetzt zahlen. Die flächendeckende Einführung würde 5 bis 6 Jahre dauern, meinte Boltz. "Ein bisschen was an gesetzlichen Grundlagen" müsse dafür noch geschaffen werden. Die Informationen, die die Zähler liefern, sollten dann aufbereitet und für Energieberater zugänglich gemacht werden.
Damit die Endverbraucher langfristig umdenken, müsse auch die Tarifstruktur geändert werden, forderte der E-Control-Chef. "Je höher die Fixkosten, desto geringer der Sparanreiz." Das 3. EU-Energieliberalisierungspaket werde außerdem thematisieren, wie man sozial Schwache vor einer Verteuerung von Energie schützen kann.
Quelle: APA
